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Mein Star Trek

Wie beginnt man mit einem Text über ein so umfassendes Thema? Mit den historischen Daten: Die erste Serie startete bereits 1966. Nun das ist ziemlich langweilig, nicht nur das es würde komplett an dem eigentlich Phänomen vorbeigehen. Star Trek findet im Herzen statt, dabei kann ich zwar nur für mich sprechen, doch es ist viel mehr als ein Multimillionen-Franchise des Medienkonzern Viacom. Es ist viel mehr ein Wegbegleiter, der mir von meiner Kindheit über das Erwachsenwerden, bis zu meinem heutigen, hoffentlich verantwortlichen, Erwachsenenleben hilft und mir als eine Art Kompass hilft das Richtige vom falschen zu unterscheiden. 

 

Es sind nicht nur die Abenteuergeschichten, die Weltraumkämpfe oder Konflikte zwischen riesigen Sternenimperien. Es sind moderne Odysseus oder Siegfried. Sie gelten für Viele unter uns als Vorbilder und Leitmotive in ethischen Fragen. Sie zeigen moralisches Handeln in Extremsituationen, für die es zwar nicht immer leicht fällt Anwendungsbeispiele im realen Leben zu finden, deren Strahlwirkung aber unbestritten bleibt. Wohl gemerkt kann dies bloß für die großen Momente gelten, in denen finanzielle Motive in den Hintergrund rücken. 

 

Ein mehrere Jahrzehnte umspannendes Weltraumabenteuer hat mindestens genauso viele schwache Momente, in denen spürbar andere Motive als die Erzählung im Vordergrund stehen. Zu den schwächsten Momenten trafen Andere die Entscheidungen, so mussten Autoren dann mit einem Trümmerfeld an Konsensentscheidungen arbeiten und versuchen, diesen einen Hauch des alten Glanzes abzugewinnen. 

 

Aber was ist nun eigentlich mein Star Trek? Das ist die eigentliche Frage die ich euch beantworten möchte. Denn die Antwort bildet den Kern von allem was hier auf Coridan 3 passieren soll. 

 

Personen - Viel der handelnden Charaktere sind ein Teil meines Star Trek. Über die verschiedenen Generationen der Serien und Filme haben sich mir einzelne Crewmitglieder eingebrannt und wirken auch noch heute auf mich als echte Helden. 

 

Im Triumvirat der The Original Series (ich werde ab jetzt immer das Kürzel TOS verwenden) sollte sich jeder Zuschauer wiederfinden. Als Makel der Zeit waren das drei weiße Männer, die im Zentrum der Geschichten standen. In Kirk fand man den typischen Helden einer Geschichte, stark, verantwortungsvoll und mutig. Als Captain nahm er den Platz in der Mitte ein und fungierte als Dreh und Angelpunkt für die Geschicke der gesamten Crew. Zu seinen Untergebenen nahm ich ihn stets als väterlich und fürsorglich wahr (auch wenn dies anhand von Einzelbeispielen natürlich widerlegt werden kann).

 

Spock bildete dabei den Gegenentwurf zum intuitiv handelnden Kirk. In seinem Charakter versuchte man das Paradigma der absoluten Logik zu verwirklichen, frei nach Kant dem komplett empathiebefreiten kategorischen Imperativ folgend. Er zeigte mir einen Blick in die Welt der Wissenschaft deren unveränderbaren Verlauf von Ursache zu Wirkung projiziert auf die „menschliche“ Interaktion. Als inneren Konflikt war in ihm angelegt, dass seine Mutter Mensch ist und er immer als Wanderer zwischen den Welten für mich erschien, hin und her gerissen zwischen  Logik und seinen fühlenden emphatischen Herzen. 

 

Der Dritte und mein Favorit im Triumvirat, war der Doktor, der einzig wahre Dr. Leonard McCoy. Er baute für mich eine Brücke zwischen den Gegensätzen, emphatisch konnte er die Logik erkennen und die moralisch emotionalen Bedürfnisse damit in Einklang bringen. Er war ein Freund, der immer ein offenes Wort und eine ehrliche Meinung für Crew, Captain und ersten Offizier hatte. Nicht ohne Grund ist er mein Internetalias geworden, denn irgendwie wollte ich wohl immer sein wie er. 

 

Über das Triumvirat hinaus versuchten alle Serien mit Star Trek im Namen diese Dynamik nachzubilden, mit mal mehr und mal weniger Erfolg. Für mich glückten diese Vorhaben in den Sternstunden des Franchise in „Das nächste Jahrhundert“ (im Folgenden werde ich hier das Kürzel TNG verwenden) und „Deep Space Nine“ (DS9). Hier wurden die Hierarchien durcheinander gewürfelt und Dekaden bedingt neue Konzepte und Aspekte in der Crew verwirklicht. Die Achtzigerjahre zeigten einen diverseren Ansatz. Das Einbringen von religiösen Aspekten und ethnischen Konflikten in die Kernhandlung, macht DS9 heute noch zu meinem persönlichen Favoriten. 

 

Aber was ist es das Star Trek heute noch relevant macht? Warum kann man die Urserie und die Fernsehproduktionen der 80’er und 90’er Jahre immer noch mit Gewinn schauen? Warum berührt es uns? 

 

Das sind wohl die schwersten Fragen, die sich für mich entfalten. Dazu allgemein gültige Antworten zu geben, fällt mir schwer, hier kann es aus meiner Sicht auch nur subjektive Antworten geben.

 

In einer schnelllebigen Welt in der man die Belange der Familie, des Berufes und des Privatlebens miteinander in Einklang bringen muss, brauche ich etwas dass mir bestimmte Werte vorlebt. Für viele Menschen ist dies bestimmt eine Religion oder eine gewisse Lebensphilosophie. Solche Konzepte kann ich für mich nicht finden, denn es fällt mich schwer mich in solchen wiederzufinden. Bücher und Heldengeschichten zeigen mir hier und da mal einen moralischen Aspekt auf den ich auch für meine persönliche Welt vertreten kann. Es bleibt aber für mich nur eines was mich in der ganzen Zeit meines Erwachsenwerdens begleitet hat und so integraler Bestandteil meines moralischen Empfindens geworden ist. Dies mag für den ein oder anderen sicherlich lächerlich wirken, ich muss jedoch sagen dass es für mich nie ein Makel ist. Oft ertappe ich mich bei dem Gedanken „Wie würde sich Pille jetzt verhalten?“. Das kann natürlich nicht allgemeingültig sein, bildet für mich aber einen wichtigen Baustein meines Lebens.

 

Menschliche Konflikte bleiben immer recht gleich, immer wird es Hass geben, immer wird es Liebe geben. Generationen finden Halt in den Klassikern der Literatur zum Beispiel in den Werken von Shakespeare, da es universell gültige Konflikte gibt, die bereits vor 500 in menschlichen Gesellschaften existierten. Star Trek schafft es für mich, durch sein humanistisches Setting einer konfliktbefreiten Menschheit und durch die Perspektive des Besucher fremder Zivilisationen, allgemeingültige Konflikte zu zerlegen, um mir dann den Spiegel vorzuhalten. Es stellt in den besten Momenten die Frage: „Wärest du bereit gewesen, dich auch so zu verhalten?“. Das ist mein Star Trek. Es sind die Momente, in denen ich mich in den unendlichen Weiten wiederfinde, in denen mich Star Trek am meisten berührt.

 

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